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Fragen & ANTWORTEN

>>> Mein kleiner Labrador (6 Monate)würde das bestimmt gut finden... Aber ich hätte keine Lust auf Prüfungen und Wettbewerbe. Lust mit Ihm das zu machen ja, aber geht das dann auch nur so "Hobbymäßig"???
 
>>> Ich würde gerne mal wissen, ob man eine Unterordnungsprüfung machen muß, bevor man Agility anfangen kann?
 

 

Agility Nachrichten

    Sonntag, den 5.Februar 2012

 

Agility in Schweden

Stockholm

Ich bin Johanna Salomonsson, komme aus Schweden, bin 27 Jahre alt und trainiere seit mehreren Jahren Agility. Eigentlich fing ich schon 1994 mit einem Bostonterrier an, aber aus unterschiedlichen Gründen nahmen wir kaum an Turniere teil. Die heutigen umfassenden Turniermöglichkeiten gab es damals nicht. Ich hatte auch früher zwei Labradore, aber da beide schlechte Gelenke hatten, war Agility völlig außer Frage. Stattdessen haben wir erfolgreich Apportieren trainiert, der letzte wurde sogar schwedischer Jagdchampion. Als der Bostenterrier gestorben war, wollte ich einen neuen kleinen Hund, und mein Interesse blieb am Norfolkterrier fest und habe mir auch einen gekauft. Der Rüde heißt Kotten, was der Zipfel bedeutet. Es gilt auf Schwedisch auch als Kurzform für den Igel. Er ist heute 6 Jahre alt und 24,3 cm hoch. Seine Beine habe ich nicht gemessen, sie sind jedenfalls kurz. Aber er ist süß!

Ich wusste damals, dass ein Norfolkterrier zwar keinen Platz in der schwedischen Mannschaft gewinnen würde, aber dass es so schwierig ist, für so einen kleinen Hund zu springen, hätte ich nie geglaubt. Die Hürden sind ganz einfach zu hoch und es gelingt ihm fast nie, die Zeiten zu schaffen. Er ist deshalb immer nur in Jumping 1 aber Agility 2. Wir haben folglich im Unterschied zu Deutschland zwei offizielle Klassen, und die Meriten zählen pro Laufform. Mehr dazu kommt später.

Als mein jüngster Labrador gestorben war, wollte ich einen neuen (gesunden!) Labrador. Ich war der Meinung, mit einer neuen Farbe – die anderen waren schwarz - müsste es schon gehen, so der gelbe Zingo ist bei mir eingezogen. Zingo ist ein Getränk in Schweden, ähnlich wie Fanta. Er ist jetzt drei Jahre alt und als schneller Labrador sehr ungewöhnlich. Es ist schön zwei ganz sonderbare Hunde zu haben – wer mich nicht kennt, kennt meistens meine Hunde! „Ach so, du mit Kotten, den hab’ ich geseh’n“ oder „ja, du mit dem schnellen Labrador“ höre ich häufig. Ich finde es wichtig, dass Agility den Hunden Spaß macht, was die Hunde auch meinen. Hauptsache ist, dass sie rennen dürfen – sie machen es wirklich mit Freude.

Schweden hat eine schöne Agilitykultur. Wir kennen uns ziemlich gut und treffen uns ab und zu, obwohl unser Land sehr lang ist, und die Abstände immer groß sind. Man wird in diese Turnierkultur eingeweiht und kann nicht aufhören, weil es so viel Spaß macht, und weil es so nett ist, gute Freunde jedes Wochenende zu treffen. Viele Männer haben ihre Frauen/Kinder nicht begleitet und plötzlich eingesehen, dass noch ein Hund gekauft werden musste, damit sie auch mitmachen können!

Es ist nicht ungewöhnlich 200 Km zu einem Turnier zu fahren, aber in dem Falle läuft das Turnier über mehrere Tage. Wir sitzen in unseren Zelten den ganzen Tag, übernachten in Wohnwagen oder Häuschen, grillen und stehen nächsten Morgen wieder früh auf. Es ist, weil der Turniertag lang werden kann, nicht selten so, dass jeder Hundeführer mehrere Hunde hat. Im Sommer läuft ein Turnier über zwei Tage. Außerdem wird ziemlich oft eine Woche im Sommer arrangiert, mit drei Tagen Turnier, einem Tag Pause und wieder drei Tagen Turnier – so etwa wie der Jutlandiacup (Dänemark). Diese Woche ist superschön, aber leider wird so was in diesem Jahr in Schweden nicht arrangiert.

Verein Falkenbergs Brukshundklubb

In Deutschland hat man nicht die gleichen Möglichkeiten, große Turniere zu arrangieren. In Schweden wohnen nicht so viele Leute - nur etwa 9 Millionen, und die Fläche ist mehr als doppelt so groß als Deutschlands. Es ist für uns nicht so schwierig, große Gelände zu kriegen, wo wir unsere Vereine haben dürfen. Deswegen werden euere klassen echt klein, weil Anmeldestopp nach einer gewissen Anzahl Teilnehmer gesetzt wird. Wenn die Teilnehmeranzahl in Schweden begrenzt werden muss, arrangiert der Verein nur eine oder zwei Klassen, oder nur Small+Midi oder Large. Die Klassen bleiben deswegen immer groß, und nur die schnellsten Hunde ohne Fehler kriegen die Punkte für die nächste Klasse. Es zählt mit 70 Largehunden in Klasse 3 nicht nur, fehlerfrei zu rennen.

Ich habe ein Jahr in Deutschland verbracht, und kann deshalb mit diesem schönen Land vergleichen. Ich liste kurz auf, was in Schweden anders ist.
• Parcourbegehung immer 15 Minuten.
• Es ist eher Regel als Ausnahme, dass jeder Hundeführer mehrere Hunde hat.
• Man fährt regelmäßig zu Turnieren, 20 Turniertage pro Jahr sind normal.
• Die Hunde rennen schneller, wegen der höheren Konkurrenz.
• Ich hatte das Gefühl, dass nicht so viele versucht haben, sich für die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Hier wollen die meisten in Klasse 3 dafür versuchen, und man strebt auch danach, Urkunden zu gewinnen. Das ist auch eine Ursache dafür, warum Schnelligkeit so bedeutend ist. Wer gewinnt, gewinnt nicht nur das Turnier, sondern kriegt auch Punkte, um an die schwedische Meisterschaft teilzunehmen. Bei der Parcourbegehung, besonders in Klasse 3, versuchen die Hundeführer immer den kürzesten Weg zu finden, weil es schnell und kurz gehen muss!
• Unsere Hunde sind nicht so sicher, weil wir nicht so lange warten, bis wir auf Turnier fahren.
• Die Klassen sind immer größer. Im Norden sieht es aber anders aus, weil dort nicht so viele Menschen wohnen. Dort ist es nicht ungewöhnlich mit zwei Hunden in Midi 2.
• Auch Jumping wird gewertet.
• Man kann in Mannschaften an Turnieren teilnehmen. Vier Hunde bilden eine Mannschaft, die drei besten Läufe zählen. Das macht echt Spaß! Es wird bei der Schwedischen Meisterschaft auch in Mannschaften gestartet.
• Spielklasse kommt nicht vor, möglicherweise bei inoffiziellen Turnieren.
• Jumping und Agility sind getrennt. Der Hund kann beispielsweise Agility 3 machen und Jumping 1.
• Man braucht keine BH-Prüfung.
• Es ist nicht so teuer in Schweden..! Ein Lauf kostet etwa wie in Deutschland, aber die Gebühr für den Verein ist in Deutschland teuerer. Die Gebühr für Svenska Brukshundklubben (Schwedischer Gebrauchshundverein) kostet pro Jahr etwa 33 Euro.

Verein Falkenbergs Brukshundklubb

Zum Qualifizierungssytem
Wir verwenden die FCI Gliederung der Größen und bei uns ist, wie oben erwähnt, die Jumpingklasse eigenständig. Man braucht in Klasse 1 dreimal 1.-5. Platz ohne Fehler zu gewinnen, dann bist du in Klasse 2. Jumping zählt für sich, Agility für sich. In Klasse 2 gilt 1.-3. Platz dreimal, ohne Fehler, dann bist du in Klasse 3. In Schweden sind Titel (nur unter Hunden, nicht Menschen!) von besonderem Gewicht, und es ist erstrebenswert Agilitychampion zu werden. Der beste fehlerfreie Hund Platz 1-5, der nicht schon Champion ist, gewinnt die Urkunde. Der Hund muss ein Rassehund sein, sonst kann er diese Urkunde nicht gewinnen. Drei Agility- bzw. Jumpingurkunden machen den Championtitel aus, und der Hund wird schwedischer Agilitychampion bzw. schwedischer Jumpingchampion.

Lust auf Schweden..? Ich helfe dir! Für die Grenze gilt: Der Hund muss gegen Tollwut geimpft seim. Zusätzlich muss eine Blutabnahme 120 Tagen nach der letzten Impfung gemacht werden, um zu zeigen, dass genügend Antikörper im Blut vorhanden sind. Außerdem muss der Hund entwurmt werden (Fuchsbandwurm).
ACHTUNG:ab 1. Januar 2012 entfällt die Titerbestimmung und die Bandwurmentwurmung!
Quelle: Schwed. Landwirtschaftsministerium

 

Eure Fragen und Anmerkungen würde ich gerne sammeln und an Johanna weiterleiten. Nutzt dazu bitte das Kontaktformular.

Hast du Lust auch etwas über dich und Agility in deinem Land zu schreiben, dann meldet dich. Am schnellsten geht es mit dem Kontaktformular.